Rad'l gegen Wad'l
Bestzeit Herrn Rad: 17:40, Bestzeit Damen Rad: 23:30, Bestzeit Herrn Lauf: 19:54, Bestzeit Damen Lauf: 30:40
der ultimative Event für
Bergläufer und Mountainbiker

Interview mit David Schneider Bestzeithalter Wadl

Kurt Palmetzhofer mit David Schneider beim Interview (11.09.1012)

Portrait:
Mitglied des Swiss Athletics B-Kaders Berglauf
Vereine: OL Regio Wil+ KTV Wil Leichtathletik
Geburtsdatum: 27. April 1981
Beruf: Elektroingenieur FH
Staatsangehörigkeit: Schweiz
Aktueller Wohnort: Wien
Familienstand: Verheiratet seit 2012

Homepage :  http://www.davidschneider.ch/

Radl gegen Wadl:
Bestzeithalter als Läufer mit 19:54 (bei Rgw 77)

Grösste Erfolge:
Berglauf:
Berglauf-EM 2011: 10. Rang
Berglauf-WM 2010: 13. Rang
Berglauf-WM 2008: 10. Rang
Berglaufschweizermeister 2006, 2007 und 2010
Orientierungslauf:
WM 2007 (Ukraine): 5. Rang, Staffel
EM 2006 (Estland): 5. Rang, Sprint
WM 2005 (Japan): 4. Rang, Langdistanz
WM 2003 (Schweiz): 4. Rang, Staffel; 6. Rang, Sprint
Schweizermeister 2002, 2004, 2005 und 2006 (Langdistanz)
Cross: Cross Vizeschweizermeister 2005

RgW: Lieber David, bitte um eine kurze Selbstvorstellung
DS: Ich bin 31 Jahre alt und komme aus der Ostschweiz, aus einem Dorf in der Nähe von Wil. Das ist so ungefähr in der Mitte zwischen Zürich und dem Bodensee. Ich lebe nun seit zwei Jahren in Wien und arbeite bei einer Firma in Brunn am Gebirge. Sportlich mache ich im Moment vor allem Berglauf, früher habe ich Orientierungslauf gemacht.
Ich denke ich bin sehr zielstrebig und versuche meinen Plan zu haben was ich wirklich machen will, wie ich etwas angehen will. Vielleicht bin ich manchmal nicht so offen und habe Mühe auf unbekannte oder neue Leute zu zugehen. Aber ich glaube trotzdem, dass ich sehr umgänglich bin und man ganz gut mit mir plaudern kann.

RgW: Was hat dich nach Österreich geführt?
DS: Meine Freundin! Sie lebt schon länger in Wien. Zuerst sind wir ein Jahr lang zwischen der Schweiz und Wien gependeln. Das war die Zeit, wo ich mich mehr auf den Sport konzentriert hatte und auch weniger gearbeitet hatte. In dieser Zeit war ich ein Jahr lang fest jeden Monat eine Woche hier. Dann haben wir gesagt, so kann es nicht weiter gehen. Jetzt komme ich mal hier her, denn wenn sie in die Schweiz kommt, dann gehen wir vermutlich nachher nicht mehr nach Österreich.
Ich war damals nicht so fix in der Schweiz. Ich hatte zwar einen Job, aber ich wollte etwas Neues probieren.

RgW: Hast du leicht einen Job in Österreich gefunden?
DS:  Ja, relativ. Am Anfang war die Suche aus der Schweiz ein bisschen schwierig und so intensiv habe ich damals auch noch nicht gesucht. Als ich dann aber mal hier war ging es doch sehr schnell und obwohl ich zum Schluss das erste konkrete Angebot angenommen habe, passt es im Nachhinein betrachtet sehr gut.

RgW: Welche Unterschiede erkennst du in der Arbeitswelt zwischen Schweiz und Österreich?
DS: Da gibt es einige Unterschiede. Das beginnt mit den Arbeitszeiten. In der Schweiz arbeitet man normalerweise 42,5 Stunden in der Woche und dann vier Wochen Ferien und hier habe ich 38,5 Stunden und fünf Wochen Ferien. Das ist doch angenehm. Was sich natürlich auch im Lohn niederschlägt.
Ich wollte zu Beginn in Österreich reduziert arbeiten, damit ich mich weiterhin mehr im Sport engagieren kann. Dies stellte sich aber als nahezu unmöglich heraus. Und somit kam es mir sehr entgegen, dass die zeitliche Belastung nicht allzu hoch ist und ich auch so genug Zeit zum Trainieren habe.

RgW: Kannst du kurz beschreiben, was du beruflich machst?
DS: Softwareentwicklung in einer Firma für Mobile Payment und IT.

RgW: Was ist hier in Österreich deine Lieblings-Freizeit-Beschäftigung neben dem Sport?
DS: So viel anderes als Sport mache ich gar nicht. Dabei gehe ich gerne in die Berge, aber das ist ja eigentlich auch Sport. Dann pflege ich noch die eigenen Tomaten auf dem Balkon. Zudem ist es sehr angenehm zum Essen-gehen, dass man sich hier noch leisten kann, was in der Schweiz schon fast unmöglich ist.>

RgW: Jetzt David zu deinen sportlichen Erfolgen. Auf welchen bist du besonders Stolz?
DS: Das ist sehr schwierig. Vielleicht so einer der ersten Erfolge. Ich glaube, wenn man das erste Maletwas erreicht, dann ist es etwas, dass einem am besten in Erinnerung bleibt, am meisten bewegt. Zum Beispiel im Orientierungslauf, als ich als 21-Jähriger 6. bei der WM im Sprint wurde.

RgW: Hast du für dich Trainings-Strecken, wo du dich messen kannst gegen dich selbst?
DS: Ich habe keine Teststrecken, wo über Jahre Vergleiche hätte. Ich komme aus dem OL (Orientierungslauf) und da ist so etwas irgendwie nicht so wichtig.
Rein läuferisch, denke ich, bin ich jetzt stärker als ich war, als ich Halbprofi war. Wobei es eine andere Komponente ist, das ich jetzt weniger Quer (Querfeldein, Cross) laufe und dadurch schneller auf der Straße bin.

RgW: Kannst du sagen, wenn du mehr trainierst bist du besser?
DS: Ja, das merkte ich schon. Ich trainiere jedoch sehr gleichmäßig. Dabei versuche ich schon die Saison auch zu planen, das es zwei oder vielleicht sogar drei Höhepunkte gibt auf die ich dann versuche meine Form zu toppen. Aber das ist jedesmal schwierig, genau dann wirklich in Bestform zu sein.

RgW: Wie beurteilst du deine Möglichkeiten zum Training hier im Verhältnis zu denen in der Schweiz?
DS: Ich denke, es ist nicht so ein riesiger Unterschied, wenn man sich einmal eingelebt hat und man weiß, wo man was machen kann.
Grundsätzlich sind die Bedingungen für Läufer hier in Wien nicht schlecht. Mit dem Dusika-Stadion ist es zwar nicht so super, aber man kann mehr oder weniger rein. Das einzige was mich wirklich stört, ist dass mit den Leichtathletikanlagen, mit der Bahn: Man kann nirgends einfach so auf eine Bahn, die gehören alle irgend jemand.

RgW: Ist das in der Schweiz anders?
DS: Ja. Die Bahn bei uns gehören zur Gemeinde, zur Schule wo sie dann frei zugänglich ist.

RgW: Trainierst du auch mit einem Wiener oder Österreichischen Verein?
DS: Einen Trainer habe ich im Moment keinen. In der Schweiz war ich regelmäßig bei einer Trainingsgruppe dabei. Letzten Herbst habe ich angefangen einmal in der Woche in der Südstadt bei der Trainingsgruppe vom Hubert Millonig mitzutrainieren. Bis dann mein Fußproblem angefangen hat.

RgW: Bist du ein gemeldeter Läufer.
DS: Ich habe in Österreich eine Lizenz, damit ich zum Beispiel die Hallenkarte fürs Dusikastadion bekomme. Ich kann ja als Schweizer sowieso nicht Staatsmeisterschaft laufen. Zudem habe ich auch eine Lizenz in der Schweiz

RgW: Du hast vorher die Probleme durch deine Verletzung an der linken Ferse angesprochen. Wie ist es dazu gekommen?
DS: Ich hatte schon länger Probleme auf der linken Seite. Angefangen hatte es mit einer erhöhten Spannung im hinteren Oberschenkel und später auch an der Achillessehne. Aber es war immer so, dass es mich nicht richtig gestört hat. So hatte ich sehr lange nichts richtig dagegen unternommen
Bis ich dann am 1. Januar von einem Tag auf den anderen nicht mehr laufen konnte. Ich war dann bei verschieden Therapeuten und bin zwischendurch dann auch wieder gelaufen, aber wirklich besser wurde es nicht. Im Juni bin ich dann vier Wochen gar nicht gelaufen, bis ich wenigsten beim normal Herumgehen keine Beschwerden mehr hatte. Seit dann geht es wieder aufwärts. Ich habe gleichzeitig auch eine Therapie bei einem Kinesiologen angefangen. Irgendwie ging es von da an wieder aufwärts. Im spühre ich es zwar immer noch, aber es ist jetzt so, dass ich wieder gut trainieren kann.

RgW: Beim Raxlauf Anfang September 2012 hat du eine neue Bestzeit aufgestellt. Hat dich da die Verletzung noch behindert?
DS: Nein, beim Raxlauf hat es mich nicht behindert. Ich spüre es zwar immer noch, aber es ist so gut, dass es mich nicht mehr stört. Ich bin sicher, dass ich nicht so gut trainiert habe wie letztes Jahr. Der Umfang des Lauftrainings ist deutlich geringer, dafür bin aber mehr Rad gefahren. Aber das qualitative Training habe ich nicht so durchgezogen, wie wenn ich normal laufen könnte. Normalerweise trainiere ich zwei oder drei intensive Einheiten pro Woche. Zur Zeit fahre die „Lichtsignalintervalle“ zur Arbeit und heim, und es scheint, dass die doch nicht so schlecht sind.
Der Unterschied zum letzten Jahr ist, dass ich im August (2011) wirklich sehr viel trainiert hatte, um mich für die Herbstsaison vorzubereiten. Heuer war ich eigentlich doch gut erholt. Denn von den täglichen 45 bis 60 Minuten laufen bin ich noch lange nicht am Limit. Im Gegensatz zu vor einem Jahr, wo ich 120km bis 150km pro Woche gelaufen bin und intensive Trainings dazwischen absolviert habe.

RgW: Ich habe verstanden, du fährst jeden Tag mit dem Fahrrad oder läufst ins Büro und nach Hause oder du läufst in Büro und nach Hause. Machst du das das ganze Jahr? Auch im Winter wenn Schnee fällt?
DS: Ja, eigentlich schon. Also übers Jahr gesehen laufe oder radle ich vielleicht vier von fünf Mal pro Woche.

RgW: Siehst du das als gute Basis für die Grundlagenausdauer.
DS: Für mich ist schon auch wichtig, dass ich die Zeit nutzen kann fürs Training. Sonst brauche ich auch eine dreiviertel Stunde für den Weg. Und so habe ich dann in dieser Zeit gleich trainiert. Wie du sagst, ist es vorallem ein Grundlagentraining, denn intensive Einheiten kann ich auf dem Heimweg nicht machen, weil ich dann mit Rucksack laufe und das geht nicht für ein schnelles Training.

RgW: Warst du immer schon ein Sporttalent oder hast du es hart trainiert?
DS: Ich glaube, eher die zweite Variante, dass ich es ertrainiert habe. Ich behaupte von mir, ich sei nicht ein Riesen-Talent. Ein gewisses Talent habe ich vermutlich schon. Ich denke aber, das meine Talent eher darin besteht, dass ich konsequent an etwas arbeiten kann und dass ich, bis auf das letzte halbe Jahr, in 15 Jahren nie wirklich verletzt war.

RgW: Also machst du das schon seit der Kindheit?
DS: Ja, seit meinem 15. oder 16. Lebensjahr. Wobei mit dem gezielten Training habe ich erst mit 18 begonnen. Wobei mir dann bis zum Schluss auch gewissen Dinge gefehlt haben, die ich früher besser hätte machen können. Zum Beispiel ist es schwierig mit 20 noch viel an der Grundschnelligkeit zuverbessern.

RgW: Machst du auch viel mit Nahrung und so weiter?
DS: Natürlich achte ich auf die Ernährung. Aber es ist nicht so, dass ich Dinge gar nicht esse. Ich habe auch keinen strikten Ernährungsplan, sondern versuche mich einfach bewusst und gesund zu ernähren.

RgW: David, du bist nun 31 Jahre alt. Welche sportlichen Pläne hast du für dich im Alter? Welche Sportarten möchtest du bis ins hohe Alter betreiben?
DS: Ich möchte weiter laufen und mich in der Natur, in den Bergen bewegen.

RgW: Wie ist der von dir geplante Weg dahin, mit Berücksichtigung von Abnützungs- und Überlastungserscheinungen?
DS: Das ist eine gute Frage. So einen richten Plan habe ich nicht, aber ich hoffe, dass mein Körper weiterhin mitmacht und ich mich noch lange jeden Tage sportlich betätigen kann.

RgW: David, wie bist du zu Radl gegen Wadl gekommen?
DS: Über einen Lauffreund.

RgW: Welches sind deine nächsten sportlichen Pläne?
DS: mein Hauptziel ist es wieder ganz fit zu werden und heuer noch den Schneeberglauf und den Wolfgangseelauf zu machen.

Das Radl gegen Wadl Team bedankt sich herzlich für das Interview und wünscht weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

Nachträgliche Anmerkung der Redaktion:
David war mit einer Zeit von 1:35:20 schnellster Nicht-Kenianer beim Wolfgangseelauf und somit Gesamt-Vierter.
Herzlichen Glückwunsch!

Interview mit David Schneider Bestzeithalter Wadl

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